Dachverband der Geowissenschaften

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Fächervielfalt ist kein Luxus – sie ist Voraussetzung für eine resiliente Gesellschaft

Welche wissenschaftliche Expertise wir morgen brauchen, wissen wir oft erst dann, wenn die Krise bereits da ist. Deshalb warnt der Allgemeine Fakultätentag (AFT) in seiner aktuellen Entschließung davor, wissenschaftliche Disziplinen allein nach ihrer kurzfristigen politischen oder wirtschaftlichen Relevanz zu bewerten. Wissenschaftliche Vielfalt ist die Grundlage dafür, dass Gesellschaft, Politik und Wirtschaft auf unerwartete Herausforderungen reagieren können.

Ein Beispiel aus den Geowissenschaften zeigt, wie schnell wichtiges Wissen verloren gehen kann: Seit den 1990er-Jahren ist die Zahl geowissenschaftlicher Professuren deutlich zurückgegangen. Besonders betroffen war die Hydrogeologie. Gleichzeitig haben die Dürrejahre der vergangenen Jahre gezeigt, wie zentral diese Expertise für die Sicherung der Wasserversorgung, den Schutz des Grundwassers und die Anpassung an den Klimawandel ist. Verlorene Professuren und fehlende Absolventinnen und Absolventen lassen sich jedoch nicht kurzfristig ersetzen.

Der AFT sieht darin kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem. Fachgebiete verschwinden häufig nicht durch bewusste politische Entscheidungen, sondern schleichend: Hochschulen orientieren sich an Drittmittelchancen und Exzellenzprogrammen, Berufungen konzentrieren sich auf aktuelle Förderschwerpunkte und kleinere Forschungsrichtungen verlieren nach und nach ihre personelle Basis. Die Folgen werden oft erst sichtbar, wenn das Wissen dringend gebraucht wird.

Genau hier sieht der AFT eine entscheidende Lücke: Es gibt bislang kein Frühwarnsystem, das schleichende Verluste wissenschaftlicher Expertise sichtbar macht. Die Mainzer Arbeitsstelle Kleine Fächer kartiert erfolgreich kleine Disziplinen. Doch wer beobachtet, wenn innerhalb großer Fächer wichtige Spezialisierungen wie die Hydrogeologie oder die Artenkunde nach und nach verschwinden? Genau hier fordert der AFT ein systematisches Monitoring der Fächervielfalt.

Als wichtigen Lösungsansatz schlägt der AFT deshalb ein systematisches Monitoring der Fächervielfalt vor. Der Wissenschaftsrat soll regelmäßig erfassen, wie sich wissenschaftliche Disziplinen und Spezialisierungen entwickeln und wo kritische Kompetenzverluste drohen. Ein solches Frühwarnsystem könnte Hochschulen, Ländern und Förderorganisationen helfen, schleichende Erosionsprozesse rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Der Allgemeine Fakultätentag versteht seine Entschließung ausdrücklich als Anstoß für eine breite wissenschaftspolitische Debatte. Auch aus Sicht der Geowissenschaften stellt sich die Frage: Wie kann die notwendige Schwerpunktbildung in Forschung und Förderung mit dem Erhalt der fachlichen Breite in Einklang gebracht werden?