Wir sind in Deutschland bei den CO2-Emissionen pro Kilowattstunde Schlusslicht in Westeuropa (Vgl. electricitymaps.com), obwohl wir in Deutschland über direkte und indirekte Subventionen (z.B. EEG) einen Betrag im zweistelligen Milliardenbereich für eine klimafreundlichere Stromproduktion ausgeben. Wir importieren US-Fracking Gas als LNG – mit einer schlechten Umwelt- und Klimabilanz, ähnlich unserer heimischen Steinkohle, die wir in Deutschland nicht mehr abbauen (Vgl. The greenhouse gas footprint of liquefied natural gas (LNG) exported from the United States - Howarth - 2024 - Energy Science & Engineering - Wiley Online Library). Unser Handeln steht nicht im Einklang mit unseren Absichten und Zielen. Mit großer Sorge sieht der Präsident des DVGeo Prof. Frank Schilling, „wie in Deutschland die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit beim Klimaschutz, dem Umweltschutz und einer nachhaltigen Energieversorgung immer größer wird.“
Für den aktiven Klimaschutz in Deutschland und Europa wird es nicht ausreichen, unter dem Meer CO2-speichern zu dürfen– so wie es (Gesetzesentwurf 21/1494) Deutschland wird gleichzeitig massiv in tragfähige Lösungen für eine resiliente klima- und umweltfreundliche Energieversorgung investieren müssen – und dazu gehört eine deutlich intensivere Nutzung unseres Untergrundes. Der Gesetzesentwurf (21/1928) zum Ausbau der Geothermie ist ein Anfang, der noch so weiterentwickelt werden muss, dass er für die Wärmewende praxistauglicher wird.
Ob Geothermie oder Wasserstoffspeicherung, ob CCS oder die umweltfreundlichere Gewinnung von „Energierohstoffen“, die wir für die Energiewandlung benötigen, allen diesen notwendigen Lösungsansätzen ist eines gemeinsam – wir benötigen dazu hochqualifizierte Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler. Nur so kann ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit unserem Untergrund, der auch dem Schutz unserer Trinkwasserressourcen gerecht wird, gelingen. Für diese Aufgaben sind Städte und Kommunen, Geothermie-Unternehmen, Speicherbetreiber und Behörden auf Fachexpertise aus den Geowissenschaften angewiesen.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, dass Ausbildungskapazitäten in diesen Feldern in Deutschland reduziert wurden und derzeit sogar über eine weitere Reduktion „ernsthaft“ diskutiert wird.
Wenn wir die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit beim Klima- und Umweltschutz, bei einer nachhaltigen Energie- und Rohstoffversorgung schließen wollen, benötigen wir mehr Angewandte Geowissenschaften in Deutschland, in Forschung, in Entwicklung und in Lehre. Deutschland hat eine starke Tradition in Wissenschaft und Technik – daran müssen wir wieder anknüpfen, um die Zukunft der nächsten Generationen zu sichern. Nur mit gestärkten Geowissenschaften können wir die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit beim Klimaschutz, dem Umweltschutz und einer nachhaltigen Energieversorgung schließen.
