Dachverband der Geowissenschaften

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Symposium zu Carbon Capture and Storage (CCS) zeigt aktuelle Forschung und Anwendungsbeispiele

CCS steht für "Carbon Capture and Storage" bzw. "CO2-Abscheidung und -Speicherung", dessen Erforschung wird in Deutschland von dem KSpG (Kohlendioxid-Speicherungsgesetz) geregelt. Diese Technologie wird als ein Teil einer Strategie zur Erreichung der im Klimaschutzgesetz festgelegten Treibhausgasneutralität für Deutschland bis 2045 gesehen. Der Umgang mit den unvermeidbaren Restemissionen von 40 bis 60 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr soll in der Carbon Management Strategie (CMS) geregelt werden.

In dem Online-Symposium des DVGeo am 15. Februar wurde der aktuelle Stand der Forschung in Deutschland aufgezeigt und Anwendungsbeispiele aus dem europäischen Ausland vorgestellt.

Als Speicher für CO2 bieten sich salinare Aquifere und erschöpfte Erdgaslagerstätten an. Speicherpotenziale liegen sowohl in Deutschland als auch in den Nordsee-Anrainerstaaten vor. Letztere haben bereits etliche Projekte, in Norwegen und Dänemark sind die Speicher Sleipner, Snohvit und Greensand in Betrieb.

Den Zeitbedarf für die Erschließung und Realisierung in Deutschland gibt Dr. Gabriela von Goerne (BGR) mit 3-10 Jahre für die Vorbereitung der Speicherbeantragung und das Antragsverfahren sowie mindestens ein weiteres Jahr für Errichtung der Speicherinfrastruktur an.

Das erste europäische Speicherprojekt an Land wurde schon von 2004 bis 2017 in Ketzin (Brandenburg) durchgeführt. Die CO2 Injektion erfolgte 2008 unter Aufsicht des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe: in dem Projekt konnte die sichere und verlässliche Speicherung nachgewiesen werden. Dr. Cornelia Schmidt-Hattenberger (GFZ) zeigt in ihrem Vortrag auf, wie alle rechtlichen und regulatorischen Auflagen erfüllt wurden. Durch intensive Begleitung konnte auch eine hohe lokale und regionale Akzeptanz des Projektes verzeichnet werden.

Prof. Sebastian Bauer (CAU Kiel) berichtet von dem Projekt GeoStor, das darauf abzielt, untersuchungswürdige Speicherformationen zu identifizieren und eine »Roadmap« für die Umsetzung der CO2-Speicherung im Bereich der deutschen Nordsee zu entwickeln.  Dafür seien dynamische Reservoirmodellierungen erforderlich, die langfristige Betrachtungen erst ermöglichen.

Prof. Christoph Hilgers (KIT) geht in seinem Vortrag auf die Chancen ein, die sich durch blauen Wasserstoff ergeben können. Dieser entsteht durch Dampfreformierung z.B. von Erdgas - das entstandene CO₂ wird direkt vor Ort unterirdisch gelagert. Blauer Wasserstoff gilt somit als klimaneutral und könnte helfen, den Energiehunger zu stillen.

Anne-Mette Cheese (Wintershall/DEA) stellt dar, wie Wintershall/DEA eine internationalen Wertschöpfungskette plant: von der Produktion des Wasserstoffs, seiner Lieferung an Industriekunden, über den CO2-Transport von den Emittenten zu den Speicherstätten bis hin zur sicheren Speicherung von CO2 unter dem Meeresboden der Nordsee. Deutschland als Transitland und größter CO2 Emittent in Europa muss hier eine wichtige Rolle spielen. In diesem Zusammenhang werden auch Erwartungen an die deutsche Politik formuliert: neben einer Anpassung des Rechtsrahmens und Aufbau der Infrastruktur müssen auch die Genehmigungsverfahren erheblich schneller werden.

Norwegen hat aufgrund gesetzlicher Bestimmungen bereits langjährige Erfahrung mit CO2-Speicherung: Peter Zweigel (Equinor) berichtet von den Projekten Sleipner und Snohvit. Northern Lights als Teil des Longship Full CCS Chain-Projects soll 2024 fertiggestellt werden.

Als Fazit der Veranstaltung konnte Prof. Martin Meschede festhalten, dass Deutschland sowohl den Bedarf als auch das Potenzial hat, CO2 im Untergrund zu speichern. Neben der Schaffung der entsprechenden gesetzlichen Grundlagen ist es erforderlich, CCS-Projekte ausführlich und transparent in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Auch weitere Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel Ausbildung von Spezialist:innen, müssen noch geschaffen werden.

Die gezeigten Präsentationen werden den Teilnehmer:innen im Nachgang zu dem Symposium zur Verfügung gestellt.