Skip to main content

Endlagersymposium stößt auf großes Interesse

Am 12. Oktober fand das Symposium „Endlagerung in Deutschland – Forschungsbedarf und Rahmenbedingungen“ am Museum für Naturkunde als Veranstaltung des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler (BDG) und des Dachverbandes der Geowissenschaften (DVGeo) statt. Unterstützt wurden sie von dem Verband Bergbau, Umwelt und Geologie (VBGU) und dem Museum für Naturkunde Berlin (MfN).

Mit 100 Teilnehmern und etlichen Interessierten auf der Warteliste fand die Veranstaltung großen Zuspruch von Länder- und Bundesministerien, Verbänden, Mitgliedern und Mitarbeitern des Deutschen Bundestages sowie des Europaparlamentes, international agierenden Unternehmen, geologischen Diensten und Wissenschaftlern. Auch maßgebliche NGOs wie das Nationale Begleitgremium, BUND, Endlagerdialog oder .ausgestrahlt haben an dem Symposium teilgenommen.

 

Prof. Michael Kühn vom GeoForschungsZentrum Potsdam zeigte gleich in seiner Einführung, dass nicht nur die Suche nach einem Endlager, sondern auch die Rahmenbedingungen komplex sind. So gibt es hier mehrere maßgebliche Akteure:

 

Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) ist Verfahrensführer und Aufsichtsbehörde sowie Träger der Öffentlichkeitsbeteiligung. Es übernimmt die Verantwortung für die Rechtmäßigkeit des Verfahrens.

Die Bundesanstalt für Endlagerung (BGE) ist die Vorhabenträgerin, ihre Aufgaben sind im wesentlichen das Erarbeiten von Vorschlägen für einen Standort für hochradioaktive Abfälle gemäß dem Standortauswahlgesetz (StandAG), das Erstellen der jeweiligen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen sowie Bau und Betrieb des Endlagers nach der Standortauswahl

Das Nationale Begleitgremium (NBG) ist Vermittler und unabhängiger Begleiter.

 

Dr. Silke Albin, Vizepräsidentin des BfE startete die Vorträge mit der Aussage, dass bei der Endlagersuche technische und gesellschaftliche Herausforderungen untrennbar miteinander verbunden seien und die Beteiligung der Öffentlichkeit daher die Voraussetzung für ein funktionierendes Verfahren sei. Ein mehrstufiges Auswahlverfahren zielt darauf ab, in einem glaubwürdigen und transparenten Suchprozess ein potenzielles Endlager zu identifizieren welches die bestmögliche Sicherheit für eine Million Jahre bietet.

 

Dipl. Ing. Andreas Sikorski als Präsident des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen (LBEG) zeigte die schwierige Situation seines Landesamtes exemplarisch für die der anderen Bundesländer auf:

Die ca. 300 Mitarbeiter des LBEG bilden die Expertise für alle bergbaulichen und geologischen Fragestellungen in Niedersachsen. Als niedersächsische Landesbehörde beaufsichtigt das LBEG die Arbeiten des Bundes auf dem Gebiet der Endlagerung in Niedersachsen. Die Stellungnahmen gemäß Prüfverfahren nach §21 StandAG generieren allerdings einen recht hohen Zeitbedarf.

 

Dr. Jörg Tietze von der BGE schilderte kurz und prägnant die Vorgehensweise seiner Gesellschaft bei dem mehrstufigen Auswahlverfahren: in einer ersten Phase werden Teilgebiete mit besonders günstigen geologischen Verhältnissen unter Beachtung von Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen ermittelt. Für die in dieser Phase ebenfalls stattfindende geowissenschaftliche Abwägung besteht noch erheblicher Forschungsbedarf. Als Ergebnis werden Gebiete herausgefiltert, die für eine übertägige Erkundung in Frage kommen und schließlich zwei Gebiete festgelegt, die untertägig erkundet werden sollen. 2031 soll die Standortentscheidung durch den Deutschen Bundestag erfolgen.

Gerhard Enste von der BGR ging auf die Eigenschaften und Verbreitung potenziell geeigneter Wirtsgesteine ein. Sowohl Steinsalz als auch Ton oder Granit stellen mit ihren Vor- und Nachteilen nicht das ideale Wirtsgestein dar. Betrachtet werden muss die geologische Gesamtsituation: innerhalb eines Endlagersystems bildet der einschlusswirksame Gebirgsbereich die wichtigste geologische Barriere. Enste führte aus, dass Deutschland auch die Erfahrungen anderer Länder, wie z.B. der Schweiz, Russland und China nutzt und hier in gemeinsamen Forschungsprojekten aktiv ist.

Dr. Jörg Mönig, Leiter des Bereiches Endlagerung bei der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) beleuchtete die Bewertung der Langzeitsicherheit, die ein wesentliches Kriterium für die Suche nach einem Endlagerstandort darstellt. Diese muss immer auf Ebene des Endlagersystems erfolgen, d.h. unter Berücksichtigung der technischen Auslegung des Endlagers und seiner Komponenten. Ziel soll ein dauerhafter, möglichst vollständiger Einschluss der Abfallinhaltsstoffe am Ort der Einlagerung sein. Um die Ungewissheit über die tatsächliche Entwicklung des Endlagersystems einzugrenzen, werden auf der Basis von geowissenschaftlichen Langzeitprognosen, Prozess- und Kopplungsverständnis, dem Endlagerkonzept sowie den Standortdaten eine Vielzahl von Szenarien entwickelt.

Prof. Armin Grunwald, Mitglied des Nationalen Begleitgremiums und tätig am ITAS (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse) am KIT beleuchtete den sozialwissenschaftlichen Aspekt der Endlagersuche: über Partizipation und Transparenz soll das Vertrauen der Bevölkerung wieder aufgebaut werden. Nur auf dieser Basis ist es möglich, zunächst einmal Akzeptanz für das Verfahren der Endlagersuche zu gewinnen. Ein beteiligungsbasiertes und transparentes Verfahren führt allerdings nicht zwingend zur Akzeptanz des festgelegten Standortes. Hier erhoffen sich die Mitglieder des Nationalen Begleitgremiums über die Beteiligung der Öffentlichkeit kritische Fragen, neue Perspektiven und Argumente, umso ein möglichst robustes und belastbares Wissen zu gewinnen als optimale Basis für langfristige Akzeptanz.

Dr. Axel Liebscher,Fachgebietsleiter der BfE zeigte den künftigen Forschungsbedarf auf, der sich an den Inhalten des Safety Case orientiert. Aus Sicht der BfE sind das im Wesentlichen Umsetzung des Standortauswahlverfahrens, Anforderungen und Kriterien des StandAG, Methoden zur Erkundung, Untersuchung und Auswertung, Sicherheitskonzepte und Bewertungsmethoden, Entwicklung von Szenarien, Nachweisführung für die technische Machbarkeit von Endlagerkomponenten sowie das Prozessverständnis und naturwissenschaftliche Zusammenhänge. Obwohl umfangreiche nationale und internationale Erfahrungen und Kenntnisse vorliegen, bedingt das Standortauswahlverfahren neue Aufgaben und Forschungsfragen sowie die Koordinierung von Forschungsaktivitäten. In jedem Fall ist die Standortsuche eine originär geowissenschaftliche Aufgabe.

Einen Teil der auf der Veranstaltung gezeigten Präsentationen finden Sie auf den Seiten von BDG und DVGeo zur Ansicht.

In der Podiumsdiskussion, moderiert von Prof. Michael Kühn, waren sich die Referenten darüber, dass für die anstehende Forschung junge, gut ausgebildete GeowissenschaftlerInnen und Geowissenschaftler benötigt werden. Voraussetzung dafür ist aber auch die Schaffung langfristiger Perspektiven wie Andreas Hagedorn vom BDG betonte, also „weg von den 2-Jahres Verträgen in der Forschung“. Sowohl die GRS als auch die BfE sind sich dieser Problematik bewusst und bemühen sich, Fachkräfte zu binden.

Das Problem der allgemein fehlenden geowissenschaftlichen Grundkenntnisse wurde angesprochen. In der Öffentlichkeit wird intensiv über geowissenschaftliche Themen diskutiert, doch werden in den Schulen die dafür notwendigen Kenntnisse nicht oder nur unzureichend vermittelt.http://www.dvgeo.org/

Die geologischen Daten wurden teilweise kritisch betrachtet: so wurde eine Qualitätsminderung befürchtet, da zunehmend mit Modellierung und weniger mit Experimenten gearbeitet wird. Auch der Datenabgleich zwischen Daten, die ursprünglich zu anderen Zwecken erhoben wurden, könne Probleme aufwerfen. Ein Vertreter des BUND gab an, dass die geologischen Grundlagendaten zurzeit noch nicht transparent erscheinen und somit kein Vertrauen generieren könnten.

Einig waren sich die Veranstalter im Anschluss, dass die Endlagerthematik für den Bereich Geowissenschaften auch zukünftig ein sehr wichtiges Thema sein wird, Prof. Martin Meschede vom DVGeo kündigte eine Folgeveranstaltung an. Das MfN, Sitz der gemeinsamen Geschäftsstelle von BDG und DVGeo, bildete für die auf- und anregende Veranstaltung einen neutralen Rahmen und machte so seiner Aufgabe als Honest Broker volle Ehre.

Das Symposium war Teil einer Veranstaltungsreihe, die sich von der GeoBonn im September bis zu einem parlamentarischen Abend, der vom VBGU, dem Verband Bergbau, Geologie und Umwelt, ausgerichtet wird, erstreckt.

Bild: Sylvia Kotting-Uhl, MdB, Vorsitzende des Bundesumweltausschusses, als Gast auf dem Endlagersymposium

Dachverband der Geowissenschaften - DVGeo

"Gemeinsam sind wir stark"

Der Dachverband der Geowissenschaften stellt eine übergreifende geowissenschaftliche Vereinigung dar, die als Interessenvertretung für die Geowissenschaften fungieren soll und seit mehr als 10 Jahren von den geowissenschaftlichen Vereinigungen Deutschlands gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird.

Moderne geowissenschaftliche Forschung und Lehre erfordern einen hohen Grad an Interdisziplinarität. Gleichzeitig verlangt die Gesellschaft Antworten auf drängende Zukunftsfragen. Die Beantwortung dieser Fragen bedarf eines kontinuierlichen Austausches zwischen angewandter und grundlagenorientierter Forschung. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist am 3. September 2015 in Berlin der Dachverband der Geowissenschaften (DVGeo e.V.) gegründet worden. 

Dem Verband gehören die vier größten geowissenschaftlichen Vereinigungen in Deutschland an: