Dachverband der Geowissenschaften

Willkommen auf der Webseite des Dachverbandes der Geowissenschaften e.V. (DVGeo)

Symposium "Endlagerung hochradioaktiver Abfälle – Europäische Strategien und Erfahrungen" 2020

Am 09. September lud der Dachverband der Geowissenschaften (DVGeo) Stakeholder aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu seinem Symposium Endlagerung in Europa ein. Wegen der aktuellen Pandemie-Situation entschied sich der Dachverband für eine Online-Veranstaltung. Dies wirkte sich positiv auf den Kreis der Teilnehmer aus: so wurden knapp 250 Anmeldungen verzeichnet, unter anderem auch aus der Schweiz, Frankreich, Österreich, Ungarn und Australien.

Sylvia Kotting-Uhl, Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Klima und nukleare Sicherheit im Bundestag, leitete das Symposium ein mit dem Hinweis auf die umfassenden Erfahrungen in Standortsuche, Planung und der Kommunikation, die in die Prozesse in der Schweiz, Schweden und Finnland eingeflossen sind. Alle drei Länder sind in der Suche nach einem Standort für hochradioaktive Abfälle schon um einiges weiter als Deutschland.

Erfahrungen aus der Schweiz

In der Schweiz wird seit 2008 nach einem Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle sowie nach einem weiteren für hochradioaktive Abfälle gesucht. Dabei hat das Land 27 verschiedene Wirtsgesteine untersucht. Der Opalinuston, ein verbreitetes Gestein in der Nordschweiz, erwies sich als am besten geeignet. Der der Auswahl zugrunde liegende Sachplanenthält auch in der Schweiz partizipative Elemente: Bürgerbeteiligung wird angeboten, zeigte sich aber eher schwächer nachgefragt. Bei der Standortsuche gibt es keine KO Kriterien, vielmehr ist die Gesamtperformance eines Gebiets wichtig für die letztendliche Entscheidung. 2022 will die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle), die in der Schweiz die Endlagerungprojektiert, die Standorte bekannt geben. Die Präsentation dazu von Prof. Meinert Rahn finden Sie hier.

Vorgehensweise in Schweden

In Schweden gründeten Energiekonzerne die private SKB (The SwedishNuclear Fuel andWasteManagement Company) für das Management und die Lagerung radioaktiver Abfälle. Dabei setzt Schweden neben der Machbarkeit auch auf Freiwilligkeit. Von den 284 schwedischen Gemeindenwaren in einem ersten Schritt fast die Hälfte bereit, sich an einer Studie zu beteiligen um zu eruieren, wie sich ein Endlager auf die Gemeinde auswirken würde. Die Machbarkeitsstudienergaben, dass 8 dieser Gemeinden grundsätzlich geeignet wären. Letztendlich wurden 2 Standorte intensiver untersucht in Bezug auf Langzeitsicherheit eines Endlagers sowie Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft.Schließlich wurde die Entscheidung für einen der Standorte im Konsens getroffen. Hier gelangen Sie zu der Präsentation von Peter Wikberg, SKB.

 

1. Endlager in Finnland

Die 1995 gegründete Gesellschaft Posiva baut seit 2004 auf der Halbinsel Olkiluoto an der Westküste Finnlands an einem Endlager für hochradioaktive Abfälle.  Dort lagern bereits seit 1992 schwach und mittelradioaktive Abfälle in einem unterirdischen Lager aus Granitgestein. Die Erweiterung für hoch radioaktiven Müll wird noch in 2025 fertig gestellt werden. Finnland ist damit die erste Nation weltweit mit einem Endlager für hochradioaktive Abfälle. Auch dort haben Kommunikation mit der Öffentlichkeit und das Werben um Akzeptanz eine sehr wichtige Rolle im Prozess der Standortsuche und -findung gespielt. Die Präsentation von Jari Makkonen, Posiva Solutions OY haben wir hier für Sie hinterlegt.

Dieses Video gibt Einblicke in das Endlager Onkalu

Prof. Jan Behrmann, Präsident des DVGeo schloss das Symposium mit der Feststellung, dass in allen drei Ländern die Bevölkerung in einem langen Prozess der Suche und der Akzeptanz einer Lösung immer mitgenommen wurde. Es sei sehr zu wünschen, so Behrmann, dass die Standortfindung auch in Deutschland in der gesamten Gesellschaft als Aufgabe und Herausforderung begriffen wird, deren Lösung Zeitbraucht, aber letztendlich auch zu einem Erfolg führt.

Die Veranstaltung wurde vom Verband Bergbau, Geologie und Umwelt, dem Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler und dem Museum für Naturkunde Berlin unterstützt.

Das Programm finden Sie hier.

Zusammenschnitt der wichtigsten Aussagen der Referenten