Dachverband der Geowissenschaften

Willkommen auf der Webseite des Dachverbandes der Geowissenschaften e.V. (DVGeo)

Studium und Lehre in der Corona Krise

Über eine Umfrage hat der Dachverband der Geowissenschaften DVGeo ein Meinungsbild erstellt, ob und ggf. in welchem Umfang die digitale Lehre auch in den Geowissenschaften möglich ist.

Über 600 Personen haben sich an der Umfrage beteiligt – Geo-Studierende (61%), Lehrende (29%) und weitere Vertreter der Geo-Community (10%).

Digitale Lehre - sinnvoll oder nicht?

Auf die Frage, ob es sinnvoll erscheint, das nächste Semester im Fach "Geowissenschaften" digital durchzuführen, antworteten 49% mit „Ja“, 25% mit „Nein“. Aufgeteilt auf die Teilnehmergruppen stellt sich das Ergebnis wie folgt dar.

Abgefragt wurde bei den Lehrenden auch der aktuelle Stand der Diskussion an ihren Instituten. An den meisten Universitäten wird der Start des Lehrbetriebes um eine oder mehrere Wochen verschoben, die dann beginnende Lehre soll digital (63% der Antworten) oder überwiegend digital (16%) stattfinden, bei 12% der Antwortenden ist eine Entscheidung bislang noch nicht gefallen. 5% der Antwortenden gaben an, dass die Digitalisierung derzeit vorangetrieben werde, während ebenfalls 5% davon ausgehen, dass bei ihnen nicht auf digitale Lehre umgestiegen wird.

Welche Tools werden verwendet?

Genutzt werden sollen für die digitale Lehre Videokonferenz-Tools wie Cisco WebEx, Skype/Teams, Zoom, BigBlueButton, Adobe Connect oder Collaborate Ultra.

Auch Learning-Management Platt­formen wie Canvas sollen für Vorlesungen, Praktika und Klausuren genutzt werden. Als weitere Formate wurden Blogs, Wikis, und Podcasts genannt. Vorlesungen sollen als 90 minütige Videofilme an die Studierenden gebracht werden oder als Live-Streams.

Als großes Problem werden vor allem die Serverkapazität der Universitäten und die Kapazitäten der EDV Abteilungen angesehen.

Die Studierenden sehen die Digitalisierung der Lehre durchaus auch als Chance für die Zukunft. Besonders die Nutzung von Konferenztools für die Aufzeichnung von Vorlesungen gilt bei ihnen als unproblematisch.

Wertung des Semesters

Sehr differenziert ist der Umgang mit der Wertung des Semesters. Die Rückmeldungen reichen hier von „Prüfungen sollen stattfinden“, u.U. als Open-book-Klausur bis zu „Prüfungen sollen nicht stattfinden“. Auch alternative Formate für Abschlussprüfungen wie Berichte oder Übungen werden diskutiert, für Abschlussarbeiten sind teilweise großzügige Verlängerungsregelungen im Gespräch.

Sowohl Lehrende als auch Studierende sehen die Forderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Forschung und Lehre, das jetzt folgende Sommer-Semester solle ein „Nicht-Semester“ werden, um der Corona-Krise gerecht zu werden, überwiegend kritisch, da es die Beendigung des Studiums hinauszögere. Dieses „Nicht-Semester“ würde bedeuten, dass Lehre im Sommersemester stattfindet, aber das Semester formal nicht gezählt werden würde, um dem erhöhten Organisations- und Kommunikationsaufwand Rechnung zu tragen. Der Umgang mit Bafög ist in diesem Zusammenhang bislang noch unklar.

Geländeveranstaltungen und praktische Übungen

In einem Punkt herrscht allerdings große Übereinstimmung zwischen Studierenden und Lehrenden: Geländeveranstaltungen und praktische Übungen sind für die Lehre von geowissenschaftlichen Inhal­ten unabdingbar und kaum durch digitale Formate zu ersetzen. Die Studierenden legen großen Wert darauf, dass die praktischen Übungen und Geländeveranstaltungen nachgeholt werden können.

Mit dieser Problematik gehen die Lehrenden, die sich an der Umfrage beteiligt haben, sehr unterschiedlich um:

In den meisten Fällen ist eine Verschiebung geplant, teils auf unbestimmte Zeit, teils auf das SS 21, das  WS 20, das Ende von SS 20 als Blockkurs oder bis Ende Mai. Einige der Umfrageteilnehmer sind noch auf der Suche nach umsetzbaren Lösungen wie alternative Formate oder andere Termine bzw haben noch keine Informationen vorliegen. Ein kleiner Teil gab an, dass Geländeveranstaltungen und Übungen entfallen werden während ein anderer (noch) von einer regulären Planung ausgeht.

Insgesamt mag es für viele Fächer sinnvoll erscheinen, sie komplett digital zu unterrichten – auch wenn hier derzeit noch nicht alle Optionen bekannt und ausgereift sind. Bei praxisorientierten Fä­chern wie den Geowissenschaften kann in der aktuellen Situation der theoretische Teil anscheinend größtenteils digital unterrichtet werden, die noch ausstehende Praxis sollte zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.